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Herzlich willkommen zur 6. Ausgabe der Recruiting Times!
Unemployment Hell: Doomsday im Schweizer Arbeitsmarkt oder Neustart?
Die Schlagzeilen sprechen Bände
Die Diskussion um den Schweizer Arbeitsmarkt ist in den letzten Monaten intensiver geworden. Während die Wirtschaftslage insgesamt robust erscheint, zeigen verschiedene Indikatoren, dass die Situation für viele Stellensuchende zunehmend schwieriger wird. Besonders in gewissen Altersgruppen und Branchen mehren sich die Klagen über lange Bewerbungsprozesse, Absagen und Unsicherheiten.
In diesem Newsletter beleuchten wir die aktuelle Lage anhand harter Fakten – und geben praktische Tipps, wie Jobsuchende ihre Chancen verbessern können.

Aktuelle Lage am Schweizer Arbeitsmarkt
Laut Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) lag die Zahl der registrierten Arbeitslosen im Juli 2025 bei 126’152 Personen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 2,7%. Während diese Quote im internationalen Vergleich niedrig erscheint, ist auffällig, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 15% angestiegen ist (Quelle: Seco Arbeitslosenzahlen, August 2025).
Auch der Swiss Staffingindex von Swissstaffing zeigt einen fortschreitenden Rückgang der Temporärarbeit von –7,5% im Juni 2025 und –6,4% im Juli 2025 gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Swissstaffing Index Juli & August 2025). Dies deutet darauf hin, dass Unternehmen vorsichtiger beim Einsatz von flexiblen Arbeitskräften werden – ein Frühindikator für die generelle Zurückhaltung am Arbeitsmarkt.
Doch nicht nur temporäre Arbeit bricht weg. Auch der Feststellenmarkt schwächelt deutlich: der Umsatz mit Feststellenvermittlungen brach um 33,4% im Vergleich zum Vormonat ein. Fazit seitens Swissstaffing: Bereits vor dem US-Zollschock sahen sich die Personaldienstleister einem schrumpfenden Markt gegenüber. Da die Temporärbranche im Industriesektor stark vertreten ist, dürfte die Entwicklung auch in den kommenden Monaten negativ bleiben (Quelle: https://www.swissstaffing.ch/de/Blog/2025/08/2025-07-swissstaffingindex.php).

Zusätzlich warnte Economiesuisse jüngst vor möglichen negativen Folgen der von den USA verhängten Zölle auf Schweizer Exporte (Quelle: Baseljetzt, 26. August 2025). Solche globalen Entwicklungen können die Nachfrage nach Schweizer Produkten und Dienstleistungen belasten und somit indirekt den Arbeitsmarkt treffen – über 100’000 Stellen sollen in Gefahr sein.
Gesellschaftliche Diskussion
Auf Plattformen wie Reddit, WhatsApp Communities und finden sich zahlreiche Erfahrungsberichte von Stellensuchenden, die von einer regelrechten „Absagenflut“ berichten. Besonders betroffen sind zwei Gruppen:
- Jüngere Bewerbende (Gen Z): Oft hohe Bewerbungszahlen mit wenigen positiven Rückmeldungen.
- Ältere Fachkräfte (50+): Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg trotz langjähriger Erfahrung.
Ein weiteres aktuelles Thema ist die Diskussion um anonyme Bewerbungen. Das Schweizer Start-up Work-ID fordert, dass Lebensläufe künftig ohne Name, Foto und Alter eingereicht werden, um Diskriminierung zu verhindern (Quelle: Tages-Anzeiger, 30. August 2025).
Auf ihrer Website work-id.ch präsentiert das Unternehmen ihre Lösung für einen transparenteren und faireren Bewerbungsprozess.
Praktische Tipps für Bewerbende
Um sich im aktuellen Marktumfeld besser zu positionieren, hier nochmals eine Zusammenfassung der 5+1 konkrete Strategien, die Bewerbenden helfen können (Oringal Post hier abrufbar).
- Reverse Research statt nur Website-Stalking: In der Bewerbung zeigen, wie Du konkret Mehrwert bringst.
- Follow-up mit Mehrwert statt „Danke für das Gespräch“: Greife ein Thema aus dem Gespräch auf und präsentiere im Nachgang eine kleine Idee oder Lösung.
- Skill-Snippets im Lebenslauf: Zahlen bleiben hängen und zeigen Wirkung.
- Hidden Keyword-Methode: Verwende neben den Begriffen aus der Stellenausschreibung auch branchentypische Keywords. So wirst Du von Bewerbungssoftwares (ATS) und KI besser erkannt.
- Storytelling statt Bulletpoints: Menschen merken sich Geschichten, keine Listen.
- 5+1 Bonus-Tipp: Direkt auf die Linie (und HR) zugehen: Authentische Beziehungen schlagen standardisierte Prozesse.
Fazit
Die Lage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist ambivalent: Die Zahlen wirken auf den ersten Blick stabil, doch im Detail zeigen sich Schwächen:
- steigende Arbeitslosigkeit,
- weniger Temporärjobs und
- zunehmende Verunsicherung bei Stellensuchenden.
Gleichzeitig eröffnen sich neue Diskussionen, wie durch anonymisierte Bewerbungen oder innovative Bewerbungsstrategien mehr Fairness und Effizienz geschaffen werden kann.
👉 Für Bewerber:innen:
- Nutzt Skills-first-Ansätze.
- Werdet kreativ in euren Bewerbungen.
- Sucht den direkten Draht zur Linie.
👉 Für Unternehmen:
- Nutzt die Zeit, um Talente jetzt zu sichern.
- Testet neue Rekrutierungsformen wie anonyme Bewerbungen.
- Denkt langfristig – statt nur kurzfristig Kosten zu sparen.
Vielleicht ist das auch alles kein Doomsday, sondern der Beginn eines Neustarts – hin zu einem transparenteren, faireren und innovationsgetriebenen Schweizer Arbeitsmarkt.
Welche Erfahrungen macht ihr aktuell auf dem Schweizer Arbeitsmarkt – als Bewerber:in, HR oder Führungskraft?
Headhunterlich
Bodenmiller Recruitment GmbH

